Konferenz „Nach dem Terror“

Nach dem Terror. Formen der Herrschaft und Repression im Spätsozialismus

Vom 6.-8. Mai 2021 veranstaltet der Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“ in Verbindung mit dem Lehrstuhl Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem "Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung die 3. „Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung“. Die Tagung wird von der „Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ gefördert.

Die Konferenz geht der Frage nach, wie sich Formen und Funktionen von Repressionen in kommunistischen Regimen im Laufe der Zeit veränderten. Die Mechanismen und Praktiken, derer sich unterschiedliche Regime dabei bedienten, unterschieden sich erheblich voneinander und sie veränderten sich im Laufe der Zeit. Setzten die meisten Diktaturen anfangs auf brutalen Terror, physische Gewalt und Willkür, wurden Repressionen zunehmend verrechtlicht und institutionalisiert. Sie wurden gezielter eingesetzt und damit für die Bevölkerung zu einem – wenigstens teilweise – kalkulierbaren Phänomen. Immer öfter trat die Androhung von Sanktionen an die Stelle konkreter Repressionen. Wer tat, was von ihm erwartet wurde, konnte in der Regel davon ausgehen, von direkter parteistaatlicher Gewalt verschont zu bleiben.

Was waren die Gründe für diesen bemerkenswerten Wandel, den alle kommunistischen Staaten – wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise – durchliefen? Waren sich die Herrscher ihrer Macht so sicher, dass sie auf den Terror verzichten konnten oder hatten sie verstanden, dass es effizientere Repressionsmechanismen gab als physische Gewalt?

Diese Themen stehen im Zentrum unserer Konferenz, die hybrid bzw. online veranstaltet wird.

Bei allen Fragen und wenn Sie an einer Teilnahme interessiert sind, wenden Sie sich bitte an Robert Kindler.

Das Programm der Konferenz finden unter dem folgenden Link als pdf: Programm

Programm:

Nach dem Terror. Formen der Herrschaft und Repression im Spätsozialismus

3. Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung

Datum: 6.-8. Mai 2021

Organisation und Konzept: Prof. Dr. Jörg Baberowski & Dr. Robert Kindler

Donnerstag, 6.5.2021

20.00 Uhr | Öffentliche Auftaktveranstaltung | Lesung und Gespräch | Reading and Discussion

Eugen Ruge liest aus seinem Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ und diskutiert mit Prof. Dr. Jörg Baberowski (Lesung und Gespräch werden live über zoom und youtube gestreamt)

Freitag, 7.5.2021

10-10.30 Uhr | Begrüßung und Einleitung | Welcome and Introduction

Prof. Dr. Jörg Baberowski / Dr. Robert Kindler

10.30-12.00 Uhr | Panel I: Stabilität und Herrschaft | Stability and Power

Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller (Weimar/Jena): Chruschtschows Wiederherstellung der Parteidiktatur. Entstalinisierung und Herrschaftspraxis in der Sowjetunion 1956-1964

Dr. Andreas Petersen (Zürich): Die Gründergeneration der DDR. Lebensgeschichtliche Prägung und politisches Handeln der Sowjetunionrückkehrer

Dr. Jens Boysen (Warschau): Schutz und Strenge. Die systemstabilisierende Rolle der Polnischen Armee zwischen 1970 und 1990 als Amalgam von potenziellem Zwang und emotionaler Bindung

Kommentar: Prof. Dr. Claudia Weber (Frankfurt/Oder)

13.00-14.30 Uhr | Panel II: Dynamiken der Repression | Dynamics of Repression

Prof. Dr. Daniela Münkel (Berlin): Verfolgung im Schatten der Mauer. Von der demonstrativen zur unauffälligen Repression in der DDR (1961-1989)

Prof. Dr. Igor Casu (Chisinau): Political Repression after Stalin. A typology based on KGB archives in Soviet Moldavia

Dr. Stefano Bottoni (Florenz): State Violence from Gheorghiu-Dej to Ceausescu. Morphologies of Repression in Communist Romania

Kommentar: Prof. Dr. Hannes Grandits (Berlin)

15.00-16.30 Uhr | Panel III: Institutionen und Akteure | Institutions and Actors

Dr. Muriel Blaive (Prague): Exhausting Resources in the Exercise of Dictatorship? The Czechoslovak Political Police in Everyday Practice

Dr. Christian Booß (Berlin/Frankfurt O.): Die Staatsanwaltschaft und die Steuerung der politischen Justiz in der DDR

Prof. Dr. Pavel Kolář (Konstanz): Todesstrafe und die Transformation der Staatsgewalt nach 1956

Kommentar: Dr. Jan C. Behrends (Potsdam)

Sonnabend, 8.5.2021

9.30 – 11.00 Uhr | Panel IV: Kultur und Ordnung | Culture and Order

Dr. Udo Grashoff (Leipzig): Politische Tabus in der DDR

Dr. Oxana Nagornaja (Jaroslawl): Stalinistische Kulturbotschafter in und nach dem Terror. Aushandlungsstrategien in der sowjetischen Kulturdiplomatie des Kalten Krieges

Dr. David Zell (Birmingham): „Mit Luther ist alles in Butter“ The Lutherjahr 1983 in the GDR – Repression and National Identity

Kommentar: Prof. Dr. Michael Meyen (München)

11.30-13.00 Uhr | Panel V: Verflechtungen und Konflikte | Entanglements and Conflicts

Prof. Dr. Daniel Leese (Freiburg): Ein kommunistischer Doppelstaat. Recht und Herrschaftslegitimation nach dem Tod Mao Zedongs

Martin Wagner (Berlin): Über die Trennung sprechen. Das Erbe der Entstalinisierung und das Ende der sino-sowjetischen Freundschaft 1963

Dr. Douglas Selvage (Berlin): Aufklärung und Repression. Die Zusammenarbeit des Ministeriums für Staatssicherheit mit dem kubanischen Innenministerium

Kommentar: Dr. Juliane Fürst (Potsdam)

14.00-15.30 Uhr | Panel VI: Formen und Folgen politischer Repression | Forms and Consequences of Political Repressions

Dr. Sebastian Stude (Potsdam): „Terror“ und „Rowdytum“. Grenzverschiebungen politischer Haft zwischen 1952 und 1989

Dr. Anna Schor-Tschudnowskaja (Wien): Sinn und Sinnlosigkeit der staatlichen Macht in der Sowjetunion. Erinnerung an den Terror

Prof. Dr. Hendrick Berth (Dresden): Erinnerte Repressionserfahrungen in den letzten Jahren der DDR und deren Auswirkungen im Lebensverlauf

Kommentar: Dr. Elke Stadelmann-Wenz (Berlin)

15.30 Uhr-16.00 Uhr | Abschlussdiskussion | Concluding Remarks

Konferenzankündigung auf H-Soz-Kult: <www.hsozkult.de/event/id/event-96474>.

6. Mai 2021–8. Mai 2021
Berlin / zoom